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Nociones del derecho maya


(Direkte Übersetzung)
DAS MAYARECHT GRUNDKENTNISSE

Kapitel 2: GUATEMALA: EIN STAAT, VIER VÖLKER, VERSCHIEDENE KULTUREN

Es ist kein Geheimnis, dass Guatemala ein Land ist, das aus unterschiedlichen Kulturen oder Gesellschaften besteht, die während den letzten fünf Jahrhunderten nebeneinander bestanden haben. Auf der einen Seite die Ladinos, die im Wesentlichen spanischer Abstammung sind. Auf der anderen Seite die Maya, Xinca und Garifuna mit ihren uralten, kulturellen Wurzeln.

Die Wechselbeziehung zwischen den beiden Kulturen haben zusammen mit anderen geschichtlichen, sozialen, politischen und ökonomischen Faktoren die Entwicklung dieser Gesellschaften beeinflusst. Gleichermassen haben sich die beiden Kulturen aber in vielen Aspekten getrennt entwickelt, mit je eigenen Identitäten und Besonderheiten, sodass sich die eine von der anderen beträchtlich unterscheidet.

Aus rechtlicher Sicht beruht das Interesse auf Anerkennung dieser verschiedenen Kulturen darauf, dass eine Verwirklichung und Entwicklung des nationalen Rechts ausserhalb all dieser sozialen Komponenten gar nicht möglich ist. Die Rechtsgelehrten und Experten in Rechtsgeschichte gehen davon aus, dass seit jeher Gruppen mit unterschiedlichen Werten und Bräuchen notwendigerweise eine andere Mentalität haben1. Genau diese Unterschiede bewirken, dass ein und dieselbe Sache unterschiedlich bewertet wird oder dass nicht alle Gruppen dasselbe Interesse an einer Sache haben.

"... Unter bestimmten Umständen gibt es Völker, in denen gewisse Normen eine Vormachtstellung über andere haben. So überwiegt in der einen menschlichen Gesellschaft das Recht über die Religion und die Moral, in der anderen die Moral und das Recht über die Religion. [...] In Rom zum Beispiel ist das Recht wesentlich. Rom macht aus allem Rechtsnormen, zum Beispiel aus der Religion und der Moral. [...] Bei den Hindus, mit ihrem unzweifelhaft religiösem Hintergrund, wird das edelmütige Verhalten im irdischen Leben verehrt, um sich ein solches im Jenseits zu gewähren2."

Für das friedliche Zusammenleben und den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft ist es unerlässlich, die Existenz von Gruppen und Völkern mit unterschiedlichen Werten und Interessen wahrzunehmen und zu schätzen, sowie diese Werte und Interessen, die uns von den andern unterscheiden, zu respektieren und zu tolerieren. Eine blosse moralische Anerkennung dieser Werte und Interessen ist logischerweise nicht ausreichend. In einem Land, in dem mehrere Kulturen miteinander leben, müssen sie auch in der Gesetzgebung berücksichtigt werden, und zwar auf allen Ebenen. Keine Gruppe darf den anderen ihre eigenen Normen und Regeln, die das Benehmen und Verhalten bestimmen, aufdrängen.

Andere Länder haben in dieser Hinsicht wichtige Schritte unternommen. In Kanada, in der Schweiz, in Spanien oder in England, zum Beispiel, sind die Verfassung, die politischen Institutionen und das rechtliche System flexibel und berücksichtigen alle Gesellschaftsgruppen. Daraus ist ein plurales und multikulturelles Zusammenleben entstanden, in dem sich jedes Volk oder jede Gruppe genauso verwirklicht fühlt wie die anderen.

Manuel Calvo Garcia erklärt, dass es "... in jeder sozialen Struktur eine Ansammlung von Werten, Zielen und Interessen gibt.[...] Dabei wird vorausgesetzt, dass diese Ziele oder Bestrebungen durch sich selber einen grossen Teil des relevanten Benehmens in jeder sozialen Struktur bestimmen müssen.[...] Die moralischen Prinzipien, die sozialen Konventionen und das System der rechtlichen Normen bilden ein Raster, das versucht, die Mitglieder einer Gemeinschaft in ihrem Verhalten zu orientieren und das auch hilft, solches Verhalten zu bemessen oder zu beurteilen. Das Einhalten dieser Verhaltensnormen erleichtert ein friedliches Zusammenleben und garantiert gleichzeitig die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung. Die Integration des Menschen in das soziale Leben bedeutet, dass dieser sich in das engmaschige Netz der Regeln und Vorschriften, die seine Aktionen limitieren und bestimmen, einfügt, indem er sich die Werte, Ziele und Interessen der Gemeinschaft zu eigen macht3."

Nach allem, was bisher gesagt, wurde, muss die Frage Platz haben: Repräsentiert das aktuelle System der moralischen Prinzipien, der sozialen Konventionen und der Normen, die in der Gesetzgebung und im guatemaltekischen Staat vorherrschen, die ganze Gesellschaft?

Um diese Frage zu beantworten, wenigstens was die Maya-Gesellschaft anbelangt, schlagen wir dem Leser vor, folgende Analyse zu lesen, welche Aspekte ihrer Kultur und ihres Normsystems erklärt. Bevor wir uns jedoch mit der Materie befassen, möchten wir klar stellen, dass diese Arbeit auf einer Zusammenstellung mehrerer Studien basiert, welche nicht historische Gegebenheiten, sondern die gegenwärtige Situation in den Maya-Gemeinschaften wiedergeben, auch wenn deren Ursprünge Jahrtausende alt sind.

Schliesslich möchten wir einen weiteren Punkt unterstreichen: Wenn wir uns auf bestimmte Konzepte oder Worte der Maya-Sprache beziehen, haben wir versucht, dafür die dem Spanischen am meisten entsprechende Übersetzung zu wählen, immer im Wissen, dass für eine exakte Wiedergabe der Bedeutung weitergehende Erklärungen nötig wären, wir dies aber zunächst für unnötig halten. Wir von der Defensoría Maya sind jederzeit bereit, weiter über das , was wir schon wissen, was anders ist und was wir noch nicht kennen, auszutauschen.

1 vgl. JORGE E. GARCIA, Historia del Derecho. Edit. UNIVERSIDAD ESTATAL A DISTANCIA; CUARTA EDICIÓN ABRIL 1993, COSTA RICA, Seite 20
2 ebenda
3 CALVO GARCIA, MANUEL; Teoria del Derecho, Editorial TECNOS S.A

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Helen Hagemann
info@guatesol.ch


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