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Nociones del derecho maya


(Direkte Übersetzung)
DAS MAYARECHT GRUNDKENTNISSE

Kapitel 8: DAS VERFAHREN DER MAYA BEI PROBLEMLÖSUNGEN

1 Uyaik o ujachik cho mexa’: Die Benachrichtigung

Dies ist der erste Schritt für jede Problemlösung. Er besteht darin, dass der beauftragten Autorität mitgeteilt wird, dass die Harmonie und den Frieden durch etwas gestört wird.

2 Unik’oxik rij: Die Analyse

In dieser Phase prüft die Autorität die unterbreitete Anzeige. Sie beschliesst, ob sie in die Situation eingreifen muss oder nicht. Ausserdem gilt es herauszufinden, ob die Konfliktparteien selber das Problem lösen können, oder ein Familienmitglied dabei behilflich sein kann.

3 Sik’nik: Die Vorladung

Die am Problem beteiligten Personen werden vorgeladen. In anderen Fällen werden sie aufgefordert, ihre Sicht der Dinge darzulegen oder die Elemente der Anzeige zu vervollständigen. Wenn es sich um grössere oder schwerere Probleme handelt, werden nicht nur die Personen, die sich im Konflikt befinden, gerufen, sondern auch ihre Familien, die getrennt befragt werden. Ziel ist es einerseits, zwischen den beiden Parteien und deren Familien Vertrauen herzustellen, andererseits, über das Problem zu sprechen. Anschliessend werden alle am Problem Beteiligten an einem Ort zusammengerufen.

4 Utaik utatb’ixik ri tzij: Gedankenaustausch und Einschätzung des Problems

In dieser Phase treten die am Problem beteiligten Personen in Dialog. Es reden sowohl die Beteiligten als auch Personen, die das Problem kennen oder etwas zur Lösung des Problems beitragen können. Auf diesem Weg wird die Haltung von "qatatb’ej" gefördert, das heisst, allen beteiligten Personen wird die Möglichkeit gegeben, den andern und sich selbst zuzuhören und auch sich selbst auszudrücken.

5 Latzij om tzijtaj: Die zwei Seiten der Wahrheit oder die Lüge

Diese Stufe erreicht man nur, wenn ein grösseres Problem vorliegt. Jetzt werden die eingebrachten Argumente und Meinungen nochmals geprüft und bestätigt. Es wird auch anderen Personen der Familie oder der Gemeinschaft zugehört, die später bei der Schlussreglung nicht mehr anwesend sein werden. Die Anhörung der verschiedenen Standpunkte erlaubt eine grössere Klarheit in Bezug auf das Problem. Interessant ist, dass diese noch heute praktizierte Anhörung aller Personen, die in irgendeiner Weise das Problem kennen, schon seit sehr langer Zeit so gehandhabt wird. In diesem Zusammenhang zitiert Guier eine bemerkenswerte Beschreibung der Rolle von Zeugen im Maya-Recht vom Akademiker Alonso Zorita: „Die Zeugen sagten die Wahrheit, einerseits weil sie vereidigt wurden, andererseits, weil sie Angst vor den Richtern hatten, welche im Ermitteln sehr geschickt waren, und im Fragen-Stellen sowie bei Rückfragen grossen Scharfsinn an den Tag legten, und welche alle mit grosser Strenge bestraften, die nicht die Wahrheit sagten.10

6 Uk’otik chi’a’j: Kenntnisnahme und Ergänzung des Problems

Es ist der Moment, den Sachverhalt zu ordnen und gründlich kennen zu lernen und die Beweise zu beurteilen. Die verschiedenen erhaltenen Versionen werden zusammengetragen. Die Ältesten versammeln sich und hören die Meinung der anderen anwesenden Autoritäten der Gemeinschaft oder auch von Autoritäten ausserhalb der Gemeinschaft an.

7 Majb’al re ri tz’ijnem: Annäherung der Parteien

Die Bedingungen für den Anfang eines Austausches von Worten, Gedanken, Gefühlen und Meinungen sowie für die Klärung von Missverständnissen zwischen den am Problem Beteiligten werden durch nochmaliges Überdenken vorbereitet.

8 Tz’ijonem: Anfang des Dialogs

Hier beginnt der Tz’ijonem, das heisst, der Dialog oder genauer gesagt, ein Austausch von Worten; gleichermassen, ein Moment des Wortes und der Wahrheit. Wort, weil auf Grund des gesagten oder gegebenen Wortes gehandelt wird und Wahrheit, weil diese gemeinsam gefunden werden muss. Hier zeigt sich die Geschicklichkeit der Personen, die in der Regelung des Problems vermitteln, um zu einer guten Lösung zu kommen.

9 Pixab’: Beraten, nachdenken und in Erinnerung rufen

Dieser Vorgang, der Pixab’, kommt in allen Prozessen der Maya-Rechtsprechung vor. Er prägt alle politischen, sozialen, kulturellen, ökonomischen, erzieherischen Regeln sowie die anderen Aspekte des Lebens der Maya. In dieser Phase werden mit viel Takt und Weisheit die Lehren oder Rat der Grosseltern und Eltern in Erinnerung gerufen. Es wird über das zu beurteilende Problem nachgedacht. Man sieht die negative Auswirkung dieser Tat auf das Leben. Es wird aber auch empfohlen, wie das Problem zu lösen ist.
Nur der Älteste der Gemeinschaft kann einen Pixab’ durchführen, weil der Pixab’ Frucht der Lebenserfahrung ist. Wenn jemand in falschem Glauben gehandelt hat, macht ihn der Älteste darauf aufmerksam oder schilt ihn deswegen. Der Sinn des Pixab’ ist, dass über Fehler nachgedacht und gefordert wird, sie in Zukunft zu vermeiden.

10 Nukuj no’jb’al: Vorschläge sammeln und anwenden

Um zu einer abschliessenden Lösung zu kommen, werden zu diesem Zeitpunkt die Menschen befragt, die das Problem verursacht haben: Wie denken Sie über das Problem? Wie kann Ihres Erachtens das Problem gelöst werden? Welche Lösungen schlagen Sie vor? Welche Vereinbarungen glauben Sie, können erreicht werden? Auf diesem Weg wird damit begonnen, den Schaden wieder gutzumachen, weil jetzt den Streitparteien eine bedeutsame Beteiligung zugewiesen wird. Auf der einen Seite übernehmen sie die Verantwortung für die Tat, auf der anderen Seite verpflichten sie sich, den angerichteten Schaden wieder gutzumachen.

11 Kuyb’al mak: Erkennen des Fehlers und um Entschuldigung bitten

Dies ist der entscheidende Moment der Versöhnung, weil jetzt die Person, die den Schaden angerichtet hat oder daran beteiligt war, ihren Fehler anerkennt und den Beschädigten um Entschuldigung bittet. Auf der anderen Seite wird in dieser Phase auch die geschädigte Partei tätig, indem sie die vom Täter angebotene Entschuldigung annimmt oder nicht. Mit der Annahme der Entschuldigung wird die Wiedergutmachung des Schadens eingeleitet.

12 Nuk’uj no’jb’al: Ideen, Meinungen und Kommentare zusammenführen

Nuk’uj bedeutet flechten. In dieser Phase legt die Maya-Autorität nochmals die Meinungen und Gedanken zum Problem sowie die möglichen Beschlüsse und Vereinbarungen zur Diskussion vor. Dabei ist wichtig, dass die Autorität die Beteiligten fragt, ob das, was von den befragten Nachbarn vorgetragen wurde, das widerspiegelt, was geschehen ist, oder ob es nötig ist, eine Berichtigung vorzunehmen. Wenn darüber Klarheit herrscht, wird nochmals die beste Idee, Meinung oder Auslegung gesucht und abschliessend bestätigt.

13 Uchomxik rij: Definition

In dieser Etappe werden die Vereinbarungen in der Form eines Beschlusses definiert, welches bedeutet, dass man eine Übereinstimmung gefunden hat oder kurz davor steht. Jetzt werden Kompromisse ausgehandelt. Wichtig sind das Wort, die Wahrheit und der gute Wille. Ebenso wichtig ist auch die Bereitschaft die Beziehungen des Paares, der Familie, der Gemeinschaft oder zwischen den Gemeinschaften ins Gleichgewicht oder in Einklang zu bringen.

14 Usachik mak: Akt des Vergessens

Dies ist die Phase, in der die Parteien sich darauf einigen, in welcher Form die verursachten Wunden geheilt werden können. Die Wiedergutmachung des verursachten Schadens und Nachteils wird definiert, und zwar durch konkrete und sofortige Taten, die dem geschädigten Teil zeigen, dass der Täter den Willen hat, seine Beziehungen wieder ins Gleichgewicht oder in Einklang zu bringen.

15 Uk’amik ib’ pa utzilal: Harmonische Integration

Das beinhaltet die Rückkehr zur Harmonie, zum Frieden und zur Gerechtigkeit. Das Problem wird gelöst, das Einverständnis beider Parteien wird bewirkt. Es ist wie der Akt der Versöhnung. Die Vereinbarungen des Uk’amik ib’pa utzilal drückt das tiefe Gefühl aus, dass die Parteien sich neu vereinen, sich annehmen, mit dem Ziel, sich wieder Gutes tun zu wollen.

l6 Utoji’k mak: Eine Massnahme, die den Schaden behebt

Nun ist die Zeit gekommen, an die Sanktionen, die für den begangenen Fehler auferlegt werden, zu denken. Normalerweise wird vom Beschädigten erwartet, dass er die Sanktionen, die er für sachgemäss hält, vorschlägt. In den meisten Fällen verlangt er nur Reue und Wiedergutmachung des Schadens. Die Sanktion in der Maya-Rechtsprechung ist keine Strafe für die, die ein Delikt begangen oder einen Fehler gemacht haben, sondern soll zum Nachdenken anregen und anderen als Beispiel dienen, nicht denselben Fehler zu machen. Wenn Sanktionen ausgesprochen werden, handelt es sich meistens um eine Arbeit zu Gunsten der Gemeinschaft. Denn anderen zu dienen macht würdig, vor allem wenn es für die Gemeinschaft ist.

17 Maltioxnik: Dank, Erkenntlichkeit

Dieser Dank ist kein religiöser Akt, es ist der Ausdruck der Freude darüber, wieder zur Harmonie und zum Gleichgewicht der Beziehungen zurückkehren zu können. Es gibt verschiedene Formen des Dankes, zum Beispiel ein Mittagessen vorzubereiten und miteinander zu essen; oder an einen heiligen Platz zu gehen und eine Zeremonie durchzuführen, die auch dazu dient, die Verpflichtungen und erreichten Übereinkünfte zu bestätigen. Den Autoritäten, die bei der Lösung des Problems vermittelt haben, wird ebenfalls gedankt.

18 Uternexik ri tzij: Verbindlichkeit

Dies ist eine Phase, die in den letzten Jahren hinzugefügt wurde, um die Einhaltung der erreichten Vereinbarungen zu garantieren. Dazu werden aus der Gemeinschaft und dem Kreis der Maya-Autoritäten Zeugen bestimmt, und man ist sogar soweit gekommen, eine offiziellen Urkunde zu erstellen, die sowohl von den am Problem Beteiligten als auch von einem Richter unterschrieben wird, um der Angelegenheit mehr Gewicht zu geben.
10 Jorge E. Guier Ob. cit. pag. 454.
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Helen Hagemann
info@guatesol.ch


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